Fightin‘ Blue

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»Logan! Logan, lass mich rein, ich verspreche dir, alles wird gut…« 
Immer wieder hallten diese Worte durch meinen Verstand. Ich saß zusammengekrümmt auf dieser billigen Matratze, die auf einem Betonsockel lag und meine Hände zitterten wie verrückt. Neben dem Bett stand ein Eimer, in dem meine Kotze schwamm und meine Gedanken konnten nicht mehr zwischen dieser Zelle und dem Motelzimmer unterscheiden. Vor meinen Augen vermischte sich die karge und schlecht verputzte Wand mit dieser hässlichen Blumentapete von Charles Motel. Diese Matratze wurde zu meinem, zu unserem Bett. Das Dröhnen, die Rufe und die Geräusche der Zellentüren, die durch die Gänge des Gefängnisses hallten, vermischten sich zu einem unaufhörlichen Klopfen. Es hörte einfach nicht auf zu klopfen. Immer und immer wieder. Es war als würde ein Vorschlaghammer auf einen Amboss einschlagen. Unaufhörlich, immer wieder. Ich starrte zu der schweren Stahltüre und auch sie wurde zu dieser vergilbten, alten Holztüre des Motels und dahinter hörte ich die Stimme von Blake und wie er gegen die Türe klopfte, »Logan, Logan… lass mich rein. Wir finden eine Lösung, das haben wir immer.«

Lösung. Als könnte man eine Lösung finden. Ich wischte mir den kalten Schweiß von der Stirn und als ich auf meine Hände blickte, waren sie blutverschmiert. Panisch sprang ich auf und blickte mich in dem Motelzimmer um, in meinen scheiß blutigen Händen hielt ich eine Flasche von diesem scheiß, drecks Korn. Verfickte Scheiße, wie konnte es nur so weit kommen? Was ist nur passiert? Was hab ich getan? Was zum Teufel hab ich getan…? Ich rannte in diesem kleinen verfluchten, drecks Zimmer auf und ab. Ich fluchte, ich schrie meinen Schmerz hinaus und prügelte auf die Wände ein, auf diese vergilbte, alte Türe. Ich prügelte gegen diesen Klopfen, dieses scheiß, verfluchte  Klopfen, das nicht aufhören wollte. Ich schrie Blake an, ich schrie mich selber an, ich wollte dass es aufhört.
Es sollte einfach nur aufhören, es sollte doch einfach nur aufhören. Ich weinte einsame Tränen und brülle stumme Schreie aus meiner Seele, als mich die Wärter zu dritt endlich überwältigten und mir eine Spritze in dem Arm jagten. In jedem Gesicht der Wärter sah ich Blake, in jeder ihrer Stimmen hörte ich seine: »Logan, Logan, beruhig dich, beruhig dich, es ist vorbei. Es ist vorbei…« 

Und dabei weiß ich es noch so gut, es kam mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, es war alles gut, es war alles einfach perfekt. Meine Hand fuhr durch ihr Haar, es fühlte sich so weich an und ihr Kopf ruhte auf meiner stämmigen, behaarten und tätowierten  Brust. Doch ich wurde sentimental, ich hatte sie für vier Stunden gebucht und diese Stunden verflogen wie von selbst, ich konnte mir allerdings nicht mehr leisten. Ich wusste es, sie wusste es und dennoch überzog sie stets. 

Sie hatte diese neckische, kleine Angewohnheit mir Wörter und Herzen mit Kugelschreiber auf den Körper zu malen und ich lies sie, denn ich genoss es. Ich wusch es auch nie ab, es war eine Erinnerung an die wenigen Momente meines Lebens, in denen alles gut, alles leicht und der Rest einfach weg war. Manchmal, wenn ich dann bei Abby am Tresen saß, blickte ich auf dieses kleine Herz auf meinem Unterarm und fragte mich, warum ich trinke, wenn ich auch bei ihr sein könnte? Eine lächerliche Frage, hatte der Absturz mit dem Whiskey begonnen, oder war der Whiskey einfach da, wenn alles vor die Hunde ging? Schwer zu sagen. Manchmal glaubte ich, ich liebte sie und natürlich war es möglich eine Nutte zu lieben, aber ich buchte sie nicht für den Fick, ich buchte sie für das was sie mir gab und das war nunmal nicht mit Geld zu kaufen.